Welche Orientierungen im Leben – für das Leben?

Orientierungen gibt es somit sehr unterschiedliche und somit auch viele Versuche. Auch mit den Orientierungen definieren wir eine Suche – jedoch wonach? Wissen wir dies sicher? Liegt unsere Suche im Bereich des bisher Unbekannten? Eventuell könnte es die einzige Aufgabe sein, die das Leben von dem Menschen verlangt. Nachstehend ein paar Betrachtungen … aus Sicht der beeinträchtigten Seele.

Ein Leben beginnt und geht dann „seinen“ Weg. Aber welchen Weg? Ein Weg ist grundsätzlich vorgegeben. Bis auf einige Ausnahmen wachsen Babys in einer Familie auf. Darin gibt es zwei zu betrachtende Phasen.

A . Die erste, grob 1 Jahr dauernde Phase ohne Sprache des Kindes (nonverbal)
B . Die darauf folgende Phase mittels der Sprache, also für den Rest des Lebens

Die nonverbale Phase kann als eine besondere Zeit im Leben eines Menschen bezeichnet werden. Diese andere „Kommunikationsweise“ basiert auf Gefühlen, auf Berührung, Hingabe, auf Lauten, auf Nähe, tiefster Fürsorge und Liebkosungen usw. und natürlich Liebe – von beiden Seiten. Dies, wenn das Kind erwünscht ist.

Mit der Sprache wird das Kind „geformt„, da Mutter und Vater aus „ihrem“ Leben auf das Kind das übertragen, was sie als richtig empfinden. Und was ihnen selbst von ihren Eltern übertragen wurde. Dem Grunde nach ist dies eine Art „Wiederholungsübertragung“ von Generation zu Generation. Natürlich ist zu berücksichtigen, dass das Kind, die Kinder auch innerhalb ihrer „Individualität“ und ihres Umfelds zusätzliche Interessen verfolgen. Der Spruch ist aber auch sehr präsent: Wenn ich mal Kinder habe, mache ich es anders als meine Eltern! Wie oft ist dies der Fall und woraus begründet sich diese Veränderungsrealisierung? Die Person, die das ausgesprochen hat, müsste sich selbst „ändern„. Und wie viele tun dies?

Worauf liegen die Prioritäten der Eltern und wie oft werden „Seelen“ verletzt?
Dazu ein Erlebnis: Ein früherer, guter Freund, mit dem ich sehr viel unternommen habe, auch Urlaube, Sport usw. brachte mich nach einem Ausflug nach Hause. Es ist aber schon gut 30 Jahre her. Da es ein sehr schöner Ausflug war, nahm ich ihn in die Arme und drückte ihn. Seine Arme blieben unten und ich spürte seine Unsicherheit. Ich bat ihn kurz mit ins Haus zu kommen und sprach diese Situation an. Er erklärte: Er kennt DAS nicht von seinem Zuhause (Eltern). Wir sprachen darüber und bei jedem weiteren Treffen war er es, der mich immer gleich umarmte und recht fest drückte. Er musste viel nachholen.

Was bedeutet das?
Sowohl Mütter wie auch Väter, die dies selbst nicht erfahren haben, werden/können dies nicht ausführen bzw. weitergeben. Sie sind gehemmt und „ohne Erfahrung“. Oder Vater/Mutter unterliegen dem EIGEN-Anspruch immer perfekt zu sein. Dies wird auch mit Strenge vorgelebt und vom Kind, von den Kindern eingefordert. Wie auch Leistung erbringen – hart arbeiten. Auch in solchen Fällen entfällt diese körperliche Nähe, dieser spürbare Ausdruck von Liebe. Die PRIORISIERUNG ist eine andere. Die Kinder wachsen „ohne“ diese Erfahrung auf und kennen dieses Spüren nicht. Wie mein Freund. Und möglicherweise geben sie es wiederum an ihre Kinder weiter.

Dazu ein anderes Beispiel. Wiederum mit einem Freund war ich und seinem kleinen Sohn in einem Lokal. Das Kind und ich haben ein „freies“ Verhältnis. Nach dem Essen wurde das Kind am Tisch müde. Der Sohn kam zu mir, setzte sich auf meinen Schoss und schlief ein. Er ging nicht zu seinem Vater.

Beispiel Materialismus
Auf Besitz und Gewinn bedachte Einstellung dem Leben gegenüber – Mein Haus, mein Auto, mein Konto … Der Mensch, der sich danach orientiert – wobei dies nicht negativ ausgelegt werden soll, unterliegt womöglich einem inneren Zwang, auch dem Wunsch „angesehen“ zu sein, sich selbst etwas beweisen oder dem Vorbild des Vaters oder anderen zu folgen. Selbstverständlich geht dies auch alles ohne „Zwang“ und andere (seelische) Gründe.

Abendländische/fernöstliche Religion . Atheismus . Nihilismus . Philosophien . Hedonismus . Stoizismus . usw.
Menschen sprechen vom „Sinn des Lebens“, also einer Art Leitlinie (vielleicht mit einem Ziel). Oft orientieren sich Menschen an Religionen bzw. Weltanschauungen, Selbstverwirklichung und auch an Freiheit. Was ist die Erwartungshaltung, was erhoffen sich die Menschen davon? Ich nehme mich davon nicht aus.
Bei einem christlichen „Abschiedsgebet“ für eine Verstorbene in einer Kirche erklärte der Priester, dass der Mensch nach dem Tod erlöst wird. Da ich mich mit unterschiedlichen Religionen auseinandergesetzt habe, schrieb ich ich den Priester an und teilte ihm meine Auffassung mit, dass Christus auf der Erde präsent war um die Menschen „zu bekehren“. Da man bei genauer Analyse zu der Erkenntnis gelangt, dass der Mensch, der diesem (oder einem anderen) Glauben, dieser Lebensvorgabe folgt, dieses Ziel noch in
seinem Leben erreichen kann und soll
. Dazu gibt es genügend Gleichnisse in der Bibel, in anderen Grundlagen.

Beispiele christliche Religionen
…. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen        Geist haben Menschen in Gottes Auftrag geredet.
…. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
…. Du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.
…. Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.

HINWEIS: Wie Sie vielleicht wissen, gibt es in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Begriffe für den Ausdruck Gott: Beispielsweise das Göttliche, Allah, Brahman, das Absolute, Dao, ewiger Urgrund, das Unveränderliche usw. Man kann es so deuten: Es gibt etwas, das über dem menschlichen Bewusstsein existiert. Somit geht es um einen Zustand, den der Mensch erreichen kann, und damit EINS wird. Wie es das Wort „allein“ in gewisser Weise aussagt:  ALLes in EINem. Was IST, was keiner Veränderung unterliegt? Und was bedeutet es bei religiösen Abbildungen mit Jesus und Gott (menschenähnlich) auf einer Ebene und darüber ist das Licht, der Heilige Geist oder/und die Taube – also übergeordnet – abgebildet?

Simone Weil
…. „Je weniger ich werde, umso mehr liebt Gott sich durch mich.“

Was meint Simone Weil damit? Sie durchlebte eine intensive Phase des Schreibens und war religiös orientiert. Durch das Schreiben trat ihr ICH in den Hintergrund (Fokus – ähnlich Meditation). Somit: Je mehr ich mich „entleere“ (von meiner ICH-Identifikation) umso mehr kann das Göttliche durch mich hindurch wirken. Der Mensch führt das Göttliche aus. Er ist nicht mehr der „Bestimmende“. In diesem „Zustand“ kann es nur inneren Frieden geben.

Aus Daodejing                                                                                                                                                                                 …. Kannst du regungslos verharren, bis die richtige Handlung sich von selbst ergibt? gibt?                                                             …. Die eins mit dem Dao sind, können gefahrlos gehen, wohin sie wollen. Selbst mitten in großem Leid nehmen sie den allumfassenden Einklang wahr, weil sie Frieden in ihrem Herzen gefunden haben.“

…. Öffnest du dich der Einsicht, so bist du eins mit der Einsicht und kannst sie vollständig anwenden.
Öffnest du dich dem Verlust, so bist du eins mit dem Verlust und kannst ihn vollständig hinnehmen.

Dazu noch eine wunderbare Eigen-Erkenntnis einer älteren Malerin und Literatin. Sie antwortete auf die Frage einer jungen Journalistin zu ihren Werken:

Wissen Sie: Wenn ich male, male ich nicht selbst. Wenn ich schreibe, schreibe ich nicht selbst.

Obwohl sie selbst den Pinsel führt und das Labtop bedient, erklärt sie dies so. Ich durfte sie persönlich kennenlernen und habe ihr auch eine Frage gestellt.

Aber die Frage an Sie: Haben Sie so etwas bei sich auch schon festgestellt? Und finden Sie einen gewissen Zusammenhang innerhalb der Aussagen der oben aufgeführten Aussagen? Um was geht es im Kern?