Die Sehnsucht nach der Liebe – und der Konflikt mit der Liebe
Wie sagte es Julia Roberts so eindrücklich zu Hugh Grant im Film „Notting Hill“:
„Ich bin doch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht, und ihn bittet, es zu lieben.“
Eine Frau bzw. ein Mann wünscht sich, dass ein anderer Mensch sie/ihn liebt. Dies natürlich auch von Frau zu Frau, von Mann zu Mann. Solch ein Wunsch bedingt unmittelbar eine Erwartungshaltung – und daraus auch eine Art „Abhängigkeit“.
So zeigt sich in vielen Kulturen, dass das Vorhandensein der „Liebe“ zugleich mit einer Bindung, gern auch ein Leben lang, verknüpft wird. Womöglich als „klassischer“ Inhalt des Lebens, einer Art „Grundbedingung“ für ein glückliches, zufriedenes Leben. Die Grundlage dafür soll die Liebe sein! Das gewünschte Fundament ist die Vorstellung, dass ein anderer Mensch „mich“ liebt, ich geliebt werde – beide sich lieben. Unbestritten ist, dass das sogenannte „Verliebtsein“ als „Vorstufe“ zwei Personen trifft – oft aus „heiterem“ Himmel. Oft existiert jedoch mehr eine „Anziehung“, eine hohe Sympathie oder gar ein „Reiz“ (optisch . körperlich . emotional . intellektuel . seelisch). Also kann dies leicht mit der Liebe verwechselt werden. Denn: wann sind wir uns sicher, dass es jetzt „diese einzigartige“ Liebe ist, die so oft in Büchern, Gedichten, in der Kunst, in Liedern oder Filmen vermittelt wird. Dieses „einzigartige“ Hochgefühl. Und so viele Dating-Portale versprechen es auch.
Wenn die Liebe, die gekommen ist, zwischen zwei Menschen frei wirken kann, dann ist es natürlich etwas Wunderbares. Ebenso zwischen Mensch und Tier und in gewisser Weise auch in der Tierwelt. Vielleicht nicht so wie der Mensch es für sich definiert. Andererseits erklären Menschen auch: Ich liebe … diese Sportart, mein Hobby, ein Land, diesen Wein, diese Kultur, diese Ideologie, heute sogar die „Star-/Vorbildliebe“ und vieles mehr. Somit eine tiefe wie erfüllende Hingabe. Oder: mein Lieblingsautor, mein Lieblingsschauspieler, meine Lieblingsmusik,
mein Lieblingsessen usw.
Eros . Philia . Agápe
Welche Ausformungen von Liebe gibt es? Die sinnlich-erotische Liebe, die Freundes- wie Bruderliebe, die selbstlose und fördernde Liebe. Die Geschwister-Liebe, die Liebe von Mutter/Vater zu den Kindern und umgekehrt usw. Womöglich aber auch die Liebe aus Flucht, aus Sicherheit, die Zwangs-Liebe, die Angst-Liebe usw. Es lohnt sich, sich mit einem Stück Papier und einem Stift mal seine „Vorstellungen und Wirkungsweisen“ der Liebe einfach aufzuschreiben.
Eine der reinsten Liebesformen durch das Baby
Wer als Frau den Wunsch nach einem Kind hatte und sich dieser erfüllt hat, erlebt wohl mit das reinste Liebesgefühl innerhalb der Menschen. Es ist die Phase nach der Geburt, wenn die Mutter das Kind säugt, es nur im Arm hält, es schläft usw. Diese Momente sidn mit nichts vergleichbar, das sie so REIN sind. Es gibt wohl wenige Menschen, die in ihrem Leben als Nichtmutter, eine vergleichbar reine Liebesform, besser dieses Liebesgefühl erfahren durften. Sehr wenige haben dies dauerhaft. Aber was bewirkt dieses so unfassbar „reine Gefühl“? Was wirkt hier, was macht es möglich? Für diesen Lebensentstehungsvorgang, eine befruchtete Eizelle, aus der ein „heutiger“ Mensch entsteht, gibt es kaum Worte, vielleicht eins: ein Wunder. In einem anderen Thema habe ich diese „Reinheit“ betrachtet. Diese Reinheit entsteht, wenn wir alles scheinbar so wichtige vollkommen löschen. Kein Gedanke, kein inneres Bild, einfach nichts und doch so unfassbar viel. Diese Reinheit haben wir alle als Baby besessen und sie nach und nach verloren. Wir können, wenn wir wollen, dahin zurück. Sofern man es für sich will. Wir erleben es sogar ab und zu, ja zufällig (etwas fällt uns zu), wo wir für Momente, für Augenblicke in diese „Verzauberung“ eintreten – unbewusst und nicht geplant. Jeder hat es schon mehrfach erlebt.
Verliebtsein In der Phase des Verliebtseins können die davon „Erfassten“ feststellen, dass diese Liebe (woher sie auch gekommen ist) das eigentliche Leben etwas „auföst“. Betört, ja liebesblind, verwandelt, hoch euphorisch und rational befreit befinden sich zwei Menschen in einem „Höhenflug“. Wiederum eine Art Selbst-Freiheit.
Die Realität danach Wie wir alle wissen, reduziert sich dieser Zustand nach und nach. Dann zeigt es sich, in welches „Niveau“ es sich normalisiert bzw. etabliert. Bildhaft wie zwei parallel verlaufende Wege, sehr nahe beieinander oder mit mehr Abstand … oder weicht ein Weg sehr weit vom anderen Weg ab. Dann ist diese „Beziehung“ beendet. Zwei „unterschiedliche“ Menschen fühlten sich stark angezogen. Jedoch mit der Zeit will die/der eine dass die/der andere so sein soll wie „ich“ es mir „vorstelle“. Das zuvor Reizvolle wird zur Gleichheit transformiert. Die „Suche“ beginnt auf das Neue.
Das ideale Paar Wie viele Paare leben eine auffällig liebevolle Beziehung, Partnerschaft, Ehe? Wie viele kennen Sie selbst, denen Sie dieses Prädikat verleihen könnten? Und was macht der Einfluss des Alltags mit diesen Beziehungen, mit dieser Liebe, mit dieser Verbundenheit und auch mit diesen zwei Egos? Wer kreiert diesen sogenannten „Alltag“ und womit ist dieser gefüllt und wer füllt ihn aus? Dies im Vergleich zur Phase des Verliebtseins.
Somit stellt sich die Frage: Was passiert mit der Liebe? Oder: was machen wir mit der Liebe? Ist die Liebe unzuverlässlich oder sind es wir? Wie viel Aufmerksamkeit schenken wir der Liebe noch oder wurde sie uns egal? Obwohl wir uns zuvor so sehr danach „sehnten“.
Wie schon zuvor erwähnt gibt es einige Menschen, bei denen die Liebe dauerhaft so wunderbar – wie wir es uns wünschen – wirken darf. Was ist bei diesen Menschen anders oder auch bei Menschen in anderen Kulturen? Warum bleibt die Liebe dort präsent und bei „mir“ nicht? Und wie oft entsteht nach Enttäuschungen bei erneuten „Versuchen“ wieder das gleiche „Unerfüllte“?
Ein sehr weiser Mensch erklärte es so:
Liebe zwischen zwei Menschen ist Bewegung.
Liebe zwischen zwei Astern (oder Rosen …) ist Licht.
Ganz einfach interpretiert: In der Liebe sind die Menschen in „Bewegung“, die Liebe bewegt sie. Maßgeblich bei diesem Gleichnis ist das Wort „zwischen“. Also der Raum zwischen den Menschen. So wie überall zwischen Mensch und Mensch, Haus und Haus, Baum und Baum usw. immer Luft ist. Darin ist Bewegung.
Die Hochliebe Nichts ist während dieser Phase der Hochliebe zuviel. Wir sind hyperkreativ, finden tolle Überraschungen, möchtem der/dem anderen eine große Freude bereiten … bis es weniger wird, weil dieser Mensch ja da ist, weil „ich“ mir sicher bin, dass er bleibt, weil „sie/er“ mich liebt – und so soll es sein bis in Ewigkeit. Und doch reduziert sich die Ewigkeit schnell auf Monate oder Jahre. Oder man „arrangiert“ sich weil man ja ein Paar ist, eine Beziehung aufrecht erhält, einmal JA zueinander gesagt hat. Und wie „schön“ doch alles ist. Dann gibt es den Unterschied wie sich Paare in der Außenwelt „zeigen“ und wie diese „Harmonie“ zuhause ist. Man geht gemeinsam in ein Restaurant, jeder bestellt, „Guten Appetit“, jeder schaut in ein anderes Eck, keine Unterhaltung und dann … „zahlen“ wir. Leider sehr oft zu beobachten.
Was ist passiert und warum ist diese Liebe „von uns gegangen“? Vielleicht hilft der Sex oder ein Kind das Ganze zu retten, erträglicher zu machen?
Und wie lange bleiben solche Paare zusammen obwohl keiner eine „weitere Zukunft“ darin sieht? Aber die Konsequenz wäre, dass ich dann „alleine“ wäre. Allein in und mit meinem Leben – allein mit „mir“. Wer will das schon und wann finde ich wieder jemanden der „micht liebt“. Diese Unsicherheit … Wo doch die Liebe mir das Leben „versüßen“ soll und sie tut es nicht mehr – „sie“ hat mich einfach
verlassen.
Sie kennen dies wohl selbst – womöglich in in unterschiedlichen Facetten und Niveaus. Warum haben „andere“ das Glück mit der Liebe und ich nicht?
Hat das womöglich eine „Bedeutsamkeit“ für mich und mein Leben? Soll ich „mich“ genauer anschauen?
Bin ich denn so „frei“ und „offen“, ja so „uneigennützig“ um wirklich zu lieben? Die Liebe zuzulassen, mich „ihr“ hinzugeben?
Wäre es womöglich so, dann würde es wahrscheinlich „funktionieren“.
Ist die Liebe tatsächlich „gegangen“ oder habe ich „mich“ von ihr abgewandt?
Und um welche Liebe geht es mir eigentlich in diesem, meinem Leben?
Wann überhaupt habe „ich“ noch zutiefst berührende, ja erhabene, übermächtige (somit positive) Gefühle?
Wer sich selbst Fragen stellt, findet und erhält Antworten.
