Die ursprüngliche Reinheit

Jeder Mensch war einmal ein neugeborenes, ein Baby. Erinnern können wir uns kaum daran. Kommt ein neues Lebewesen in „diese Welt“, entsteht (meistens) große Freude. Eine Frau ist Mutter geworden, ein Mann Vater. Die Familienangehörigen, Freundinnen/Freunde, Bekannte, Kollegen/Kolleginnen freuen sich mit.

Zwischen Mutter und Baby entsteht das, was ich mit „übergeordneter“ Liebe bezeichnen möchte. Mit einer außergewöhnlichen – also unüblichen – Harmonie. Eine Art „vollkommene“ Übereinstimmung – eine ERHABENHEIT. Jedoch nimmt dies – Ausnahmen ausgenommen – im Laufe der Zeit etwas ab. Es ist eine Wahrnehmung, die leider bei den Menschen im Leben sehr, sehr selten präsent ist. Aber warum eigentlich? Wo so vieles doch so unfassbar schön ist.

Sehr auffällig ist, wie das Neugeborene (auch von Tieren) angesehen wird. Am liebsten möchte es jeder Mensch bei sich haben, es halten und es spüren. Welche Anziehungskraft, welche Wirkung hat dieses Baby? Und woraus bedingt sich diese?

Ich bezeichne es einfach mit „Reinheit“. Natürlich nicht in bezug auf „Sauberkeit“. Somit „seelische“ Reinheit. Sicher auch in gewisser Weise mit dem Gefühl der Fürsorge, da ein Baby die Hilfe von Menschen (Eltern) für viele Jahre benötigt. In der Tierwelt ist diese Phase markant kürzer. Die Liebe und Fürsorge ebenbürdig. Das löst in uns spezielle Gefühle aus. Womöglich ist es auch ein „unbewusster“ Vorgang in unserem Inneren, weil wir diese ursprüngliche Reinheit verloren haben und wir spüren, wie „gut“ diese Reinheit sich anfühlt.

Wir waren auch mal so und haben dieses REINE verloren bzw. überdeckt, eingekapselt. In Gesprächen habe ich oft gehört, dass „man“ ja so ist wie man geworden ist. Und alles gehört so zu „mir“. Das würde bedeuten, dass man diesen Zustand dauerhaft akzeptiert. Einmal zufrieden, dann wieder unzufrieden. Etwas Glück ab und zu und zwischendurch Ärger. Die Beziehung ist anfänglich gut, dann eher schlecht. Wie auch in der Ehe. Am Anfang sprechen die Menschen von Liebe, handeln auch temporär so … und dann?!?

So kann man auch feststellen, dass manche Menschen ihre Gefühle nicht „leben“ können. Sie sind gehemmt. Warum? Und wie viel leidet ein Mensch darunter? Gefühle sind ganz normal und doch gibt es Einflüsse, dass diese normale Empfindung, das Spüren, das Bewegende, nicht frei ist. Daraus können somit auch „Berührungsängste“ entstanden sein, weil man „solche“ Berührungen nicht erfahren durfte. Dies wirkt sich dann im weiteren Leben meist negativ aus. Auch in Freundschaften, Partnerschaften, Beziehungen. In einem Gespräch mit einer jüngeren Frau, was dies quasi  zweifach präsent. Ihr erster Freund konnte das nicht so wie sie es wollte. Dann kam es zur Trennung, aber erst, als sie wieder einen neuen Freund hatte (schlau ..) und dann war es umgekehrt. Der neue Freund konnte gefühlsvoller, zärtlicher, liebevoller sein als sie selbst.

Ein wesentlicher Unterschied ist auch, ob und dass der Mensch „wirklich“ mit seiner Situation zufrieden ist, mit seiner Beziehung, Lebenssituation, Tätigkeit oder er es sich „einredet“. Jedoch: Entweder ist etwas IN SICH und VON SELBST gut und richtig oder nicht. Ist etwas nicht aus sich heraus positiv, ist alles andere nur ein Gedankenkonstrukt. „Man“ redet es sich „schön“. Einwände hierzu sind mir bekannt.

Bei den meisten Menschen gibt es diese Lebensqualitätsschwankungen. So ein auf und ab im Wechselspiel. Erzeugt man dieses Wechselspiel selbst oder enstehen diese Situationen von sich aus? Wenn ja, warum und wofür? Es lohnt sich dieses einmal zu betrachten. Und was man ändern kann – zurück zu dieser Reinheit. Und welche Rolle spielt der Einfluss negativer Gedanken?