Ein Spiel mit der Vorstellung – ein Versuch

Jeder Mensch hat eine Vorstellung von sich. Nach Möglichkeit eine optische, eine haptische und eine „gedachte“.

Die optische Vorstellung
Dafür brauchen wir unsere Augen und/bzw. einen Spiegeleffekt. Somit einen der uns bekannten Spiegel, eine Schaufensterwand mit dunklem Hintergrund, eine klare Glanzfläche (Lack) oder gar – wie vor langer Zeit – nur eine Wasserfläche. Ohne diese Hilfsmittel könnten wir nur einen Teil des Körpers „real“ erfassen. Grob von den Zehen bis zu den Brustwarzen, links und rechts bis zur Schulter, Arme und Hände. Und, nicht ganz deutlich, die Nasenspitze. Teilweise sogar einen Teil der Beine auf unserer Rückseite. Probieren Sie es mit Ihren Augen aus. Unsere Physiognomie, unser Gesicht oder Antlitz sowie ein größerer Teil der Rückseite wäre uns unbekannt. Wie auch der Ausdruck von Empfindungen über die Mimik. Mit einem Spiegel sehen wir nur die vordere Seite, die Rückseite oder die Seiten. Alles auf einmal geht nicht.

Die haptische Vorstellung
Durch Hände und Füße können wir uns teilweise berühren. Wir können unser Gesicht abtasten wie es zum Beispiel Blinde bei anderen Menschen ausführen um wiederum eine „Vorstellung“ zu erhalten. Auch können wir uns partiell spüren, benötigen dafür jedoch einen Gegenstand (gegen etwas). Eine Wand, einen Stuhl, ein Bett, den Boden, ein Sofa, einen anderen Mensch, die Kaffeetasse usw. Es ergibt jedoch keinen „Gesamteindruck“. Wenn wir ganz sensibel darauf achten, ist ein „Gesamtwahrnehmen“ möglicherweise dann gegeben, wenn wir uns unter Wasser befinden.
Der Körper wird vollkommen von Wasser umgeben, ja berührt. Das ist – in adäquater Weise – den ganzen Tag durch die Luft der Fall. Allerdings spüren wir das nicht. Es ist dieser große Raum um alles herum, überall, den wir Luft nennen – durch den wir „leben“. Geschwindigkeit durch uns (z. B. Fahrrad) oder gegen uns (Wind) ist die Wirkung dieses Luftraumes. Atmet unser Organismus ein, zieht er ein Volumen in die Lunge. Atmet er aus, übergibt er dieses Volumen in den Raum vor Nase/Mund. Dort bleibt er aber eine Weile, wenn wir uns nicht bewegen.
So können Tiere über den Geruchssinn – sich riechen in die Luft – analysieren ob und was am gleichen Platz vor einiger Zeit da war. Nur selten macht der Mensch das auch. Oder wiederum der Wind trägt diesen Geruch zu dem Tier. Der Geruch verbleibt in diesem Luftraum, wird getragen.

Die gedachte Vorstellung
Aus den zwei Vorbetrachtungen kann somit ein „Realbild“ oder ein „Teilrealbild“ von uns durch uns entstehen. Wie ist es aber, wenn wir an einem Tag wie heute nicht nur in einen Spiegel schauen, uns durch Gegenstände partiell spüren, uns bewegen, aktiv sind oder nachts schlafen.? Inwiefern und wie sind wir dann „bei uns“? Also sind wir uns selbst bewusst? Wenn das Argument kommt ‚durch das Denken‘, dann dürfen wir mal anschauen, was wir den gesamten Tag denken und wie viel das mit „mir“ zu tun hat. Überwiegend denken wir über anderes oder andere. Wenn wir also mit diesen Gedanken(bildern) woanders sind, sind wir nicht bei uns. Wir können dies mal mit „Bewusstsein“ bezeichnen. Wikipedia: (lat. conscientia: Mitwissen, bei Sinnen sein, denken) ist i.w.S. die erfahrbare Existenz geistiger Zustände und Prozesse.
Aber es geht um „mich“. Auch das, was wir als Person und Persönlichkeit (Ausdruck der Person) bezeichnen. Was beinhaltet somit diese „gedachte“ Vorstellung von mir und wie existiert diese? Um eine gedachte Vorstellung von mir zu erzeugen, „muss“ ich sie mir denken. Sie entsteht nicht von alleine.

>> Dies kennt wohl jeder: Cogito ergo sum (René Descartes) = Ich denke, also bin ich. Und wenn ich nicht denke …, wer/was bin ich dann? Vielleicht nur „dieser Körper“? Es gibt aber ganz sicher Zeiten in denen „ich“ nicht denke.

Gegenbeispiel: Jetzt im Moment, weil „ich“ diesen Text lese, sind andere, mir bekannte Personen möglicherweise anwesend oder auch nicht. Sie sind dann nicht „da“. Es könnte aber ein Gedanke „eintreten“, weil ich etwas gelesen habe (dadurch einen Impuls erhielt) und das eventuell für diese andere Person interessant sein könnte. Dann entsteht diese Person in meiner Vorstellung. Auch wenn sie real nicht da ist.

In der Analogie der Aussage (sinngemäß von Jiddu Krishnamurti:  >> Wenn ich nur über einen Baum spreche, existiert er nicht real. Er existiert erst, wenn ich vor ihm stehe. <<

Somit dürfen wir etwas mutig folgern: Es existiert nur das, was ich im Moment erfasse, weil es real vor mir oder an mir ist. Sitze ich in einem Raum in einem Haus, ist nur der Raum „real“, den ich erfasse. An den Rest des Hauses muss ich „denken“. So ist es auch mit anderen Menschen oder Orten, wo es Erinnerungen gibt. „Ich habe die Familienangehörigen oder diese Freunde, Bekannten (alle Geschlechter). Sind sie real bei mir, existieren sie für mich. Sind sie nicht da, sind sie außerhalb meiner Gedanken/Bilder (z. B. lese ich ein Buch) „existieren sie für „mich“ gerade nicht. Lese ich ein Buch, „begebe“ mich in die Welt des Buchinhaltes, obwohl es für mich  – außer dem Buch an sich – nicht real existent ist.

>> Mir ist bewusst, dass dieses „Gedankenspiel“ für viele unsinnig erscheint. << Auch weil wir diese „bewussten“ Menschen sind. Wer dies jedoch für sich selbst mal „zulässt“ und sich selbst „beobachtet“, wird womöglich zur gleichen Feststellung kommen. Es ist lediglich ein Versuch. Und daraus eventuell etwas erkennen, somit verstehen.

Vielleicht wollen Sie, das ist das direkteste, den Begriff  a) Persönlichkeit und b) persona (Bedeutsamkeit lat. u. a. Schauspielermaske, Rolle oder Amtsstellung usw.) bei Wikipedia anschauen. Es gibt dort ein Schaubild unter persona, das die Zusammenhänge bzw. das Zusammenspiel von: Denken I Empfinden I Intuieren I Fühlen mit den Ebenen „Objektive und Subjektive Welt“ wie kollektives, äußers Ich und Anima, Inneres Ich in Bezüge oder Abhängigkeiten stellt.

Die Vorstellung von „mir“ – ich als Persönlichkeit
Welche „Lebensfaktoren“ spielen für die Vorstellung „von mir“ und „über mich“ durch mich noch eine Rolle? Sicher der Status innerhalb der Gesellschaftsregeln, mein „Erscheinungs“bild, die Selbstwertigkeitsdefinition, meine Leistungen oder Erfolge, meine „Karriere“, meine „Güter“, meine Erfahrungen und mein Wissen usw. und – für viele eher unbewusst, die Gesamtheit der Prägungen innerhalb des gesamten Lebens. Als Beispiel will ich die Thematik „Minderwertigkeits-Komplex“ verwenden. Dieser Komplex entsteht in einem Menschen durch äußere „Be- und Verurteilungen“, also negativer Art“ (obwohl diese womöglich gar nicht zutreffen) und der „selbst auferlegten “ Deklaration und somit Schuldzuweisung und „Erniedrigung (niedriger als andere) aus einem „Vergleich“ heraus mit anderen Menschen (Interpretation).

Sicher ist, dass beide diesen Komplex begründenden „Ursachen“ für das Leben eine Last, Belastung, Unfreiheit, Unsicherheit, Einschränkung, Verkrampfung, Angst, Isolation (oder Ausgleichs-Narzismus) usw. bedingen. Solch eine Betrachtung kann man in vielen Problemthemen des eigenen Lebens erstellen.

Diese Zeilen können Sie, sofern Sie etwas „gemerkt“ haben, womöglich bewegen um mit einem Stück Papier und einem Stift sich dieses Spektrum „für sich selbst“ anschaulich zu machen. Dies bedarf einer regelmäßigen „Beobachtung“. Beobachtungen über diese „Muster“ dich ich „lebe“, oft vollkommen unbewusst, die „mich“ leben“ und somit die Erkenntnis entsteht, dass ich diese „loswerden“ will.                                          Somit beginnt ein erster Weg. Haben Sie Fragen?