All-ein-sein und Ein-sam-keit
Aufgrund einer gelesenen Buchkritik habe ich mich entschlossen, über das allgemeine Mensch- und Gesellschaftsthema des Alleinseins und der Einsamkeit einen Beitrag zu schreiben.
In der Überschrift schreibe ich bewusst All-ein-sein. So setzt sich dieses Wort zusammen. Ebenso wie Ein-sam-keit.
In beiden Wörtern ist EIN enthalten. Wie z. B. in EINheit. Also ein GANZES. Grundsätzlich kann man dies bei jedem Menschen feststellen. Der sichtbare Mensch in optischer Gestalt des Körpers ist eine Einheit. Wäre er dies nicht, wäre er für das pure Leben von etwas anderem abhängig. Der Mensch wird von der intelligenten Natur und Evolution als Einheit geboren. Somit stellt er eine Autarkheit dar. Der Mensch kommt „all-ein“ auf die Welt und stirbt „all-ein“.
Wortbetrachtung – „Ein“ ist ohne Bezugsergänzung nichts. Es braucht, um eine Bedeutsamkeit zu erhalten, einen Zusatz wie: Einmaligkeit . Ein und alles . Einverständnis . Einwohner . einstimmig usw. Natürlich auch „im“ Wort wie Vereinbarung. Ähnlich ist es mit All, wobei es hierbei bereits eindeutige Begrifflichkeiten gibt.
Wertung – Setzt man all und ein zusammen, entsteht das Wort allein. Man kann es negativ auslegen. Vor allem auf einen Menschen oder ein Tier, würde man es so deklarieren: Ohne weitere Person, ohne weiteres Tier. Oder: ausgeschlossen (von …), verlassen (von …), unfähig usw. Und die positive Auslegung? Allein = ein Mensch oder ein Tier mit sich. Also eine EINzelgängerin oder ein EINzelgänger – natürlich auch Single.
Negatives kann man m. E. daraus nicht ableiten. Erst wenn man ein vorrangiges „Gesellschaftsbild“ mit berücksichtigt, dann „schaut man ggfs. abweisend oder mitleidig auf solch einen Menschen (oder empfindet es selbst so). Weil der Mensch ein soziales Wesen ist (auch nicht immer), weil es „normal“ ist einer Gruppe anzugehören, weil das Leben doch zu zweit bzw. als Familie geführt werden sollte. Selbstverständlich gibt es Menschen mit diesem „Status“ die zufrieden damit sind (aus unterschiedlichen Gründen), manche kommen damit geradeso zurecht, andere leiden darunter. Jedoch ist dies m. E. innerhalb des „Idealbildes“ auch nicht anders. Und manche in diesen Gesellschaftsordnungen wären sogar gerne mal allein.
Ganz neutral betrachtet ist diese Einheit weder gut noch schlecht. Sie ist einfach. Was macht der EINsiedler? Er siedelt alleine in seinem Leben, als diese, seine Einheit. Menschen arbeiten über einige Sommer-/Herbstmonate alleine auf einer Alm. Weil sie sich für eine gewisse Zeit von der Gesellschaft, vom leben in dieser Gesellschaft, entziehen möchten. Sie gehen bewusst in die Einsamkeit und das Alleinsein. Die meisten kommen zwar etwas erschöpft (körperliche Arbeit) zurück, jedoch mit strahlenden Augen, erfüllt und zufrieden. Aus bestimmten Gründen „isolieren“ sich Menschen bewusst, weil sie etwas für sich klären, suchen oder finden wollen (Klosterretreat oder Wanderung). Der Vorteil: „Ich“ werde von niemandem abgelenkt, beeinflusst, bevormundet, eingeschüchtert usw. Für manche Menschen ist diese Zeit ein „Luxus“. Andere ängstigen sich davor.
Was könnte die wesentliche Grundlage sein, dass ein Mensch alleine zufrieden lebt, der andere nicht?
Beide haben natürlich auch Kontakte zu anderen Menschen. Was besitzt die/der eine, was der/dem anderen fehlt? Auch in klassischen Beziehungen fehlt einem Partner etwas, was er sich vom anderen erhofft. Ist es die Variabilität des Status einer Zufriedenheit? Wobei es Menschen gibt, die immer nörgeln und – unterstellt – nie zufrieden sind. Bin ich mit den Lebensbedingungen nicht zufrieden, also der Art Außenwelt, oder bin ich mit mir nicht zufrieden (Innenwelt)?
Wer nicht zufrieden ist, dem fehlt scheinbar etwas
Wovon fehlt mir etwas, dass sich meine Erwartungen erfüllen? Und wie viel fehlt, sofern ich zumindest ein bisschen bereits „besitze“? Ich kann mich mit anderen in einen Vergleich bringen? Wie sieht das aus? Der dem etwas fehlt, vergleicht sich mit dem der das hat, was ihm scheinbar fehlt. Wer vergleicht sich mit dem, der nach dem äußeren Anschein sogar weniger hat als „ich“? Und macht dieser Vergleich „nach unten“ dann auch zufriedener? Lieber orientiere ich mich nach oben.
Aus welchen Fundamenten bedingen sich Vergleiche? Ist es das Sichtbare wie Kleidung, Wohlstand, Haus, Autos, Reisen, Luxus, sich alles leisten können …? Oder ist es das Innere, das Unsichtbare – nennen wir es ein Gefühl und somit einen Zustand. Es gibt VIPs mit großem Erfolg und auch dort gibt es zufriedene und unzufriedene Zustände. Ich sage nichts gegen Erfolg und somit finanzielle Sicherheit oder Reichtum und allen Accessoires dazu. Weil dies ggfs. auf einer tollen Idee beruht, Engagement, auch viel Arbeit oder einfach auf Intelligenz, Geschick, Glück, Berufung usw. Oder andere machen etwas nach und kommen auf einen ähnlichen Status. Auch in der Kunst zeigen sich zwei Seiten. Maler und Maler ist nicht immer das gleiche wenn es um das Materielle als Bezugsgröße geht. Heutzutage hängt es oft davon ab, dass man das Prinzip des Kunstmarktes versteht und gepuscht wird. 450 Millionen Dollar für ein Bild. Oder in der Musik oder in der Literatur … Bestseller. Und wenn dann eine „Schreibblockade“ kommt?!?! Oder die Leinwand leer bleibt. Die großen Sängerinnen und Sänger, gefeiert, und manche zerbrechen an diesem Ruhm! Ganze Stadien sind voll, weil auf der Bühne eine Person nette (geistreiche) Geschichten erzählt und das Publikum lacht (oder nicht, weil es doch zu inhaltslos war). Es geht dabei um Unterhaltung, dass jemand „mich“ für eine gewisse Zeit unterhält (unter + halten). Eine andere Person „bringt“ mich in „Stimmung“.
Wer besitzt etwas (allein) das „ihn“ erfüllt?
Wo etwas gefüllt werden kann, muss etwas leer oder teilleer (Abstieg ins Tal) sein. Das berühmte Glas Wasser …. halbvoll, halbleer – jeder kennt es.
A) Ein Mensch hat alles und ist vollkommen zufrieden.
B) Ein Mensch hat einiges und ist öfters zufrieden
C) Ein Mensch hat verhältnismäßig wenig und ist dementsprechend weniger zufrieden.
So einfach ist es nicht, weil es ebenso Menschen unter A) gibt, die in sich nicht zufrieden sind. Andererseits können Menschen unter B) und C) ordentlich zufrieden sein und sogar glücklich.
Worum geht es eigentlich bei diesem Alleinsein und der Einsamkeit?
Ist es grundsätzlich eine „negative Leere“ in „mir“. Nichts das wärmt, mich erfüllt, Schatten anstatt Licht, Depression anstatt Freude, Apathie anstatt Elan … Ich bezeichne es bewusst als negative Leere, weil man auch von einer „positiven“ Leere sprechen kann. Wenn ich das Gefühl der negativen Leere in mir habe, fast schon etwas LEBLOSES, dann brauche ich unbedingt etwas, das mir das innere Gefäss füllt. Am besten andere Menschen = Unterhaltung und Vergnügen. Das Außen richtet es schon und so unterwerfe ich mich der „Unruhe“ und „Abhängigkeit“ und bin laufend auf der Suche nach neuen „Auffüllern“. Macht das zufrieden? Auf Dauer.
Und wie und womit fülle ich das innere Gefäss auf, so dass es zur vitalen Quelle wird?
> Haben Sie dazu eigene Antworten und Lösungen, sofern Sie auch Unzufriedenheiten spüren?
Es gibt so unglaublich vieles, womit ich mich beschäftigen kann. Dies bedingt jedoch ein Interesse. Dies bedingt jedoch ein JA-Sagen zu mir selbst. Weil ich ja eine autarke Einheit bin. Will ich das sein? Möchte ich das werden? Schatten oder Licht – Kälte oder Wärme – Freude oder Trostlosigkeit – Abhängigkeit oder Freiheit … Will ich blühen oder verwelken? Will ich leiden oder glücklich sein? Inneren Krieg oder Frieden?
Es erfordert einen ENTSCHLUSS. Aufstehen oder eins mit dem Sofa bleiben. Mir ist bewusst, dass es für manche Menschen Lebenssituationen gibt, die sehr tragisch sind und teilweise fremdverschuldet sind. Hier wie in anderen Ländern. Das ist alles Leben und das WARUM will auch eine Antwort. Andererseits sind diese schrecklichen Bilder auch Zeichen für jeden einzelnen, der diese betrachtet. Ich spreche jedoch von einer Art Mittelwert.
Ich hätte auch „abwägen“ können ob ich diese Website erstelle und nach und nach ergänze. Oder die Zeit, die ich dafür aufbringe, wie sagt man so schön: „für mich verwende„. Aber jeder Satz den ich hier schreibe, ist auch für mich. Es ist immer ein Stückchen mehr, weil damit die Thematik immer weitere Klarheit erfährt. Weil diese Sache, dieses Lebensthema es WERT ist. Weil es für mich etwas gibt, das man finden kann und ich einen Teil für mich gefunden habe. Ich will aber noch mehr finden. Die Tür darf immer weiter aufgehen. Es gab jedoch kein Abwägen. Der Impuls ist entstanden und ich habe angefangen. Auch das ist etwas, das mit der Zeit entsteht. Diese „IMPULSE„, wenn man etwas in sich bereinigt hat, werden immer vordergründiger. Die sonstigen Zweifel gibt es nicht mehr. Es ist so EINDEUTIG, weil es anscheinend sein soll.
Es ist ein Ja-Sagen und ein anfangen – und dranbleiben. Dann entsteht etwas von selbst, wie die Quelle die ein schöner Fluss werden will und sich irgendwann im Meer auflöst. Und irgendwann wieder zu einer Quelle wird.
Wer sich allein fühlt, besitzt eigentlich bereits ein Geschenk, eine Ausgangsbasis. Auch wenn das im ersten Anschein nicht so aussieht, sich nicht so anfühlt. Viele Veränderungen im Leben von Menschen sind in der „Talsohle“ entstanden. Sie mussten „leider“ oder „dringend“ vom Berggipfel herunter ins dunkle Tal steigen. Aber dann zeigt sich ein „anderer Gipfel.
Weil wir nicht alles in diesem wirren Gedankenmeer klar sehen können, ist wie schon mehrfach empfohlen, ein Papier und ein Stift so viel wert. Alles mal „RAUSschreiben„, dann etwas ordnen, dann schauen, was ich nicht mehr will, dann fokussieren was ich will usw.
Alles ist in Ordnung, wenn im Inneren die Quelle sprudelt. Wir sind derjenige, der sie öffnen kann.
„Ich“ kann nur dann eine schöne, erfüllende Beziehung erleben und selbst einwirken, wenn ich in mir dieses gute Gefühl habe. Bin ich erst in einem Basiszustand angelangt, werden die sonstigen Bedürfnisse immer weniger – weil der Wandel hin zur Zufriedenheit begonnen hat.
