Die tief in mir gehüteten "Geheimnisse"

Kürzlich, in einer Unterhaltung, ging es u. a. um Ehrlichkeit, um Beziehungen … um das Leben eben. Und an einem gewissen Punkt kam von der anderen Person eine Aussage, grob so: „Jeder trägt in sich ein geheimes „Kästchen“ in dem gewisse Eigen-Geheimnisse verborgen gehütet werden.

Also ein Kästchen innen drin, somit in mir. Und „wo“ ist oder sitzt dieses in mir?

Und was ist der Inhalt – was bewahre „ich“ dort auf, das ich niemandem anvertraue? Ich will hier keiner Perspon zu nahe treten – sofern es eine Person gibt, die keine schützenswerten Geheimnisse in sich trägt. Menschen somit, die grundsätzlich jeder vertrauensvollen Person „über sich“ alles sagen.

Dann schauen wir zu den anderen. Nein – zu uns selbst. Jeder der dies liest, kann sich jetzt einer kleinen Überprüfung unterziehen. Ist DA etwas? Muss, will ich etwas schützen? Um welchen Schutz geht es dann? Also um meinen eigenen Schutz vor anderen und zugleich auch vor mir selbst.

Auch, wenn es doch die beste Freundin, den besten Freund oder gar die Oma oder den Opa gibt oder eine Tante/Onkel, die meine Vertrauensperson darstellt. Und natürlich die Partnerin/den Partner. Aber auch in diesem Bereich einer „Vertrauensqualität“ können wir Menschen unterschiedliche Ebenen deklarieren? Wie weit öffne ich mich der/dem und wie viel der/dem anderen? Man macht als Unterscheidungen. Also Freundschaften mit variabler Wertung. Das ist sicher ganz normal. Überspringen wir mal alle Zwischenebenen und dringen ins „Eingemachte“ vor.

Wir wollen also den unsichtbaren Schlüssel für das Geheimniskästchen verwenden. Der Schlüssel ist unsichtbar, da wir nicht wissen, wo das Kästchen zu finden ist.

Versuchen wir eine kleine Analyse in Bezug auf den „geheimen“ Inhalt. Ist es etwas ganz Besonderes, so etwas Wunderschönes, Außergewöhnliches, das „ich“ irgendwann einmal erlebt, ja erfahren durfte? Wenn es so ist, dann kann ich es doch freudig erzählen! Oder haftet an diesem „Ideal“ vielleicht etwas Verbotenes, etwas Falsches, ja Schlechtes? Besitzt es 2 Seiten? Als Erlebnis zwar das „Höchste“ und doch, wenn ich es „von-mir-geben“ würde, könnte es beim Empfänger ggfs. negativ gedeutet werden. Oder, weil es sich möglicherweise um eine Realität handelt, es als Vergehen, Vertrauensbruch, eine Schande, ein Skandal, vollkommen unseriös und inkorrekt usw. aufgefasst werden. So kann es auch sein, dass dies zwei Pole auch in mir kontinuierlich wirken.

Es gibt also die Schublade mit diesem vollkommen positiven Erlebnis und in manchen Fällen auch eine Schublade, in der das Gegenteil davon aufbewahrt wird. Hier sprechen wir von einem Realitätserlebnis.In ähnlicher Weise gibt es aber auch die „Welt“ der Fantasie. In der Fantasie bin „ich-gerne-ein-anderer“. Jemand, der plötzlich etwas darf und macht und dies in der Realität unterlässt. Unabhängig der Gründe für das Unterlassen. Auch hier taucht sowohl das „Besondere“ wie das „Schlimme“ auf.

Etwas in mir „beurteilt“ dieses reale oder fiktive Erlebnis. Bin ich es selbst? Oder ist es mein Gewissen?
Ist es überhaupt MEIN Gewissen? Irgendeine Essenz aus Moral . Ethik . Anstand . Respekt . Achtung … Oder gar die Seele – die aufpasst? Oder nehme ich einfach nur „Rücksicht“ auf andere? Ein interessantes Wort: Rück – also zurück oder hinten, hinter mir … und sich/Sicht. Also schauen/sehen, zurückschauen oder auch eine „Sichtweise„. Die Art und Weise wie ich „etwas“ betrachte, definiere und beurteile. Ganz sicher ist es etwas aus der Vergangenheit. Wobei das Reale und das Fiktive (Fantasie) auch einmal direkt und umittelbar zu meiner „Gegenwart“ gehört haben. Also in diesem „JETZT.

Generös Rücksicht zu nehmen könnte sich „strategisch“ aus so darstellen. Wenn ich auf eine andere Person in der Form Rück-Sicht nehme – ihr also mein Geheimnis nicht anvertraue, weil es diese Person ja in eine ungute Situation bringen könnte …. – dann behalte ich es besser in meinem „Kästchen“, behüte es weiter und „schütze“ mich weiterhin vor der WAHRHEIT.

Wie man sieht, kann das Individium doch interessante und „günstige“ Konstellationen erzeugen, so dass das „Kästchen“ gefüllt behütet und verborgen bleiben kann.

Was also könnte man mit einem „Röntgenblick“ in diesem Kästchen finden (bunt gemischt)
?
Das Ergebnis eines Verlanges (z. B. eines Seitensprungs), der unausweichliche Blitz des Glücks, dieser Schicksalschlag der Begierde, ein Diebstahl (vielleicht aus Lust heraus), ein Vergehen, um einmal „über seine Grenzen“ zu gehen, somit eine Art Test (nicht immer brav sein zu wollen), eine sexuelle Fantasie außerhalb einer ggfs. netten Monotonie, etwas bewusst zerstören oder beschädigen, jemandem einen „Streich“ spielen, eine Lüge gar, gegen den eigenen Glauben verstoßen (kurz mal ungläubig gewesen zu sein – also die Hölle besucht haben), etwas vollkommen „Unvernünftiges“ getan haben, einen Betrug vollzogen (Sache oder Mensch), mal wieder richtig geflirtet haben (innerhalb einer Ehe), eventuell das gleiche Geschlecht „probiert“ haben, das bisher Unbekannte, in ein fremdes Grundstück geklettert sein usw. — einfach mal für kurze Zeit ANDERS gewesen sein. Oder, auch ein Bestandteil von Filmen, dass ein Kind von mir existiert, von dem nur ich weiß oder eben das eigene Kind, das den Vater nicht kennen darf. Wie heißt es doch: die Abgründe sind tief.

Wenn wir es nicht so massiv betrachten wollen, steht hinter so vielem der Wunsch, die Lust, die Begierde, die Freiheit nicht immer DIESER MENSCH ZU SEIN. Eintauchen, ja einbrechen in die noch nicht GELEBTE Welt. Dass dies gegeben sein kann, versteht jeder sicher und auch dass es in Träumen und Fantasien vorkommt und das „irgendetwas“ mich dann verleitet.

Aber auch hier ist wieder erkennbar, dass wir „Freiheitswünsche“ in uns tragen und die BESTEHENDE Freiheit diese aber meist nicht ERLAUBEN. Das ist dann keine gute Freiheit. Zumindest können wir dies so empfinden. Auch weil in uns etwas DRÄNGT. Vielleicht interpretieren wir jedoch diese Vorstellung von Freiheit auch ganz anders, als sie womöglich sein könnte oder sein will.

Soweit wäre ja alles GUT. Wir wollten für UNS etwas tun und haben es gemacht. Wir haben uns in den Zustand „außer Kontrolle“ begeben. Der üblichen.

Nun …. jedes Handeln erzeugt etwas. Wie schon erwähnt, können auch diese „Vorkommnisse“ zwei Seiten aufweisen, sofern sie nach „irgendeiner“ Deutung dann mit den zwei Prädikaten plus/minus etikettiert werden. Sind wir „ohne Verpflichtung“, dann können wir wohl besser damit umgehen und leben. Es war ja ein „Er-leb-nis“. Befinden wir uns jedoch in einer Verpflichtung, bedingt sich daraus womöglich ein „Vergleich„. Somit meist ein Abwägen (= Zweifel), wie viel davon gesagt werden kann. Und die daraus sich bedingende ENTSCHEIDUNG, die Wahrheit auszusprechen oder sie – mit oder ohne Schlüssel – „sicherheitshalber“ in das verborgene Kästchen – vorerst – zu legen. Mal sehen, wie „ich“ damit „leben“ kann. Spielfilme und sicher auch Romane zeigen dann die „Kämpfe“ auf, mit denen eine betroffene Person ringt. Sie zeigen aber auch auf, wie das Umfeld darauf reagiert und „gerne“ , ja leichtfertig verurteilt: Wie kann „man“ nur? So etwas hätte ich „ihr/ihm“ niemals zugetraut. Wie respekt- und gefühlslos! Widerlich … und was es da noch für bekannte Aussagen gibt.So kann man sagen, da es ja dieses „Kästchen“ gibt, so tief irgendwo da drinnen, wäre alles gut. Weggesperrt.

In manchen Fällen vielleicht und doch bleibt das „Weggesperrte“ leider nicht im Tiefschlaf. Aus dem vermeintlichen Frieden ist nun ein UNFRIEDEN entstanden und zugleich Angst. Auch Angst vor Verlust – materialle wie persönlich, vor Blamage, vor Kritik, vor Scham, vor „das Gesicht verlieren“, vor Verdammung, Existenzangst usw. Auch wenn Menschen womöglich in diesem Bereich extrem „abgehärtet“ sind und immer wieder verdrängen können, wird ES keine Ruhe geben. Wenn ich mich „der Wahrheit“ nicht öffne, die da ganz unruhig ist, dann werde ich womöglich in jeglicher Form „krank“. Der Sonnenschein verlässt das Leben und stattdessen kommt die Dunkelheit, ein Dauerschatten. Dies auch, weil der Mensch dann dauerhaft eine Fassade vor sich trägt.

Gerechtigkeit versus Ungerechtigkeit. In erster Linie bin ich wohl der direkteste Richte selbst. Zu sich und seinem Leben stehen oder nicht. Mir ist bewusst, dass man bei manchen Vorkommnissen auf den richtigen „Moment“ wartet, bis „ich“ es dann  aussprechen werde. Innerhalb der Zeitrechnung vergehen dann meist Jahre. Auch interessant ist: Wann ist der richtige Moment? Wie kann ich sicher sein, dass er kommt – oder schon war – und ob es dann tatsächlich tue? Es ist ein immerwährender Kampf und eine seelische Belastung. Wähle ich die Belastung dauerhaft oder erlöse ich mich davon? Es gibt nur diese zwei Entschlüsse.

Will ich das „Kästchen“ leeren und wieder unbelastet „freier“ sein? Womöglich zeigt der unruhige Inhalt des Kästchens aber auch auf, dass es so oder so Zeit für eine Veränderung sein soll. Manche Menschen freuen sich auf eine Veränderung, andere sträuben sich dagegen.

Wir sehen oft nicht die Gesamtzusammenhänge, sondern fokussieren uns auf das Naheliegendste. Aber das Naheliegendste ist nur das bedingte IST-Ergebnis jetzt. Um für mich Klarheit zu erzielen, muss ich zurückschauen. Den „Film“ der letzten Jahre anschauen, was sich da alles zugetragen hat, wie ich mich dabei fühlte, was ich erhofft habe, ob es richtig war oder auch schon eher Verdrängen als Offenheit. Nehmen sie wieder ein Stück Papier und schreiben sich diese Sequenzen auf. Nach und nach wird es klarer und so kann wieder das Verstehen eintreten.

Was auch dazu kommt ist, dass wir uns selber prüfen können, inwiefern wir uns SELBST vertrauen. Und auch wie „stabil“ meine Beziehung ist. Oder ob es sich um ein fragiles Gerüst handelt. In manchen Fällen ist ja das bereits der Grund, dass ich „ausbrechen“ musste.

Bei allem geht es jedoch auch wieder darum, zu erkennen, warum ich in diese UNFRIEDEN-Situationengekommen bin. „Ich“ habe die Anfänge wohl nicht „ernst“ genommen. Wenn ich etwas „nehme„, bietet mir jemand oder etwas etwas an.

Es geht also darum, sich in der Eigen-Sensibilät kontinuierlich zu verbessern, damit ich gleich die Ansätze wahrnehmen und auf sie reagieren kann. Unterstellt – sie wollen nur das Gute für mich. Leider gibt es ziemlich viele Gegenspieler dazu (siehe Beitrag 50 000 Gedanken …)

Was wollen Sie für sich? Will ich die vielen „Fallen“ erkennen oder immer wieder hineintreten?